Luzerner Wirtschaft – besser als ihr Ruf

„Die Wirtschaft des Kantons Luzern“, Wirtschaftsbeilage der Luzerner Woche

Luzerner Wirtschaft – besser als ihr Ruf

Wirtschaftspolitik

Neue Zahlen zur Beschäftigung im Kanton Luzern

Zur wirtschaftlichen Entwicklung gibt es gegenwärtig weltweit viele Fragezeichen. Der Kanton Luzern hat sich in den letzten Jahren jedoch erstaunlich krisenfest erwiesen. Dies belegen auch neueste Daten zur Beschäftigung. Wir haben deshalb guten Grund, optimistisch zu bleiben und gemeinsam an den Rahmenbedingungen zu arbeiten.

In unserem Kanton hat, anders als in der Schweiz insgesamt, die Beschäftigtenzahl (inklusive Teilzeitstellen, ohne Landwirtschaft) in den letzten zehn Jahren zugenommen. Zu diesem positiven Befund kommt eine Analyse der Beratungsfirma Hanser und Partner AG. Sie untersucht im Rahmen des erweiterten Wirtschaftsprojektes Luzern die wirtschaftliche Struktur und Leistungsfähigkeit des Kantons Luzern und seiner Regionen (vgl. LGZ Januar / Februar 2003).

Aufwärtstrend 1998-2001

Die inzwischen bis 2001 nachgeführte Studie zeigt gegenüber der ersten Fassung (1991-98) erfreuliche Entwicklungen auf. Während bei der Beschäftigtenzahl im industriellen Sektor zwischen 1991 und 2001 landesweit ein Minus von -17,9 Prozent resultierte, hielt sich der Rückgang im Kanton Luzern mit -5,3 Prozent in Grenzen. Bei den Dienstleistungen hingegen legte unser Kanton im gleichen Zeitraum kräftig zu – in einzelnen Branchen wie Gesundheits- und Sozialwesen, Beratung, Informatik sowie Kredit- und Versicherungsgewerbe wuchs die Zahl der Beschäftigten um 10 bis 30 Prozent. Betrachten wir nur die jüngste Vergangenheit (1998 – 2001), so stellen wir eine Zunahme der Beschäftigtenzahl im zweiten und dritten Sektor um insgesamt 5,7 Prozent fest. Dabei schneidet der Kanton Luzern namentlich im Industriesektor deutlich besser ab als die Schweiz als ganze. Positive Resultate gehen übrigens auch aus einer Studie hervor, welche die Grossbank UBS vor wenigen Wochen präsentierte. Sie weist für die Zeitspanne 1998 – 2001 im Kanton Luzern einen Anstieg der Vollzeitstellen im zweiten und dritten Sektor um 4,1 Prozent nach.

Vitale Regionen

Bemerkenswert sind die Unterschiede zwischen einzelnen Regionen unseres mittelgrossen Kantons. Auf der Luzerner Landschaft, vom Seetal bis ins Entlebuch, wuchs die Beschäftigtenzahl 1991 – 2001 je nach Region um 5 – 11 Prozent. Dabei fällt auf, dass auch der industrielle Sektor vergleichsweise gut dasteht. Ansiedlungs- und Ausbauprojekte wie beispielsweise LEGO, Galliker, Kronospan, Braun Medical oder Pangas, um nur einige Beispiel zu nennen, wirkten sich offensichtlich positiv aus. Die erwähnte UBS-Studie belegt für die Regionen Sursee / Seetal und Willisau ebenfalls ein weit überdurchschnittliches Wachstum. Diesen ausgesprochen positiven Entwicklungen auf der Landschaft stehen, entsprechend der landesweiten Tendenz, leichte Rückgänge in Stadt und Agglomeration gegenüber. Dass gleichzeitig in der Landwirtschaft viele Arbeitsplätze verloren gingen, überrascht nicht. Wobei auch hier der Anpassungsprozess im Kanton Luzern bis jetzt gemässigter verlief als in der Schweiz insgesamt.

Der Rezession getrotzt

Nun aber genug der Zahlen. Sie beweisen ja immer nur Teilwahrheiten. Ich habe mich hier auf diese neusten Zahlen und Analysen von Experten stärker als sonst eingelassen, weil uns im Kanton Luzern häufig genug wenig vorteilhafte Statistiken unter die Nase gerieben werden. Es hat schon bald Tradition, dass wir selber unsere Wirtschaft schlecht machen. Ich bin jedoch überzeugt: Die Luzerner Wirtschaft ist viel besser als ihr Ruf. Und sie hat bisher erstaunlich gut der Rezession getrotzt.

Es läuft viel

Damit sollen unsere schwachen Seiten nicht übertüncht werden: die immer noch ungenügende Wertschöpfung, die Lücken im Verkehrssystem, die relativ hohe Steuerbelastung der natürlichen Personen. Doch wir haben diese Probleme nicht nur erkannt, sondern bei ihrer Lösung bereits Fortschritte erzielt. Bedeutende neue Unternehmungen wie Sarnamotive Schweiz, der Sprachschulkonzern EF oder die Grossbäckerei Hiestand fanden im Kanton Luzern den Wunschstandort, im Rontal entsteht das 4D-Zentrum, in Sursee gibt es bereits den E-Park, im Seetal meldet sich die „Idee Seetal“ mit interessanten Vorhaben. Spürbare Steuersenkungen sind bereits Tatsache. Mit unsern Berufsschulen, Fachhochschulen und der Universität verfügt der Kanton Luzern über ausgezeichnete Bildungsstätten, die unsern Wirtschaftsraum künftig noch attraktiver machen.

Letztlich sind es nicht die Zahlen, sondern die Menschen, die innovativen und sozial verantwortungsbewussten Arbeitgeber, die leistungswilligen und gut ausgebildeten Arbeitnehmer, die mich zuversichtlich stimmen. Die Luzerner Wirtschaft hat gute Chancen, trotz rauem Gegenwind erfolgreich zu bleiben und noch stärker zu werden.
Anton Schwingruber, Wirtschaftsdirektor des Kantons Luzern

Quelle: Luzerner Gewerbezeitung Ausgabe März 2003