Dreimal Schulschluss – und dennoch kein Ende…

Mitteilungsblatt des Bildungs- und Kulturdepartementes Nr. 2/ 05

Dreimal Schulschluss – und dennoch kein Ende…

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

„In der Bildung herrscht permanente Aufbruchstimmung. Da mag man gar nicht so gerne ans Abschiednehmen denken. Und doch: Vor dem bewegten Hintergrund der Entwicklungen in unsern Volks- und Mittelschulen, der Reorganisation im Berufsschulwesen oder der Auf- und Ausbaupläne im Hochschulbereich müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass bewährte, leistungsstarke und über unsere Region hinaus bekannte Bildungsstätten ihre Tore demnächst für immer schliessen. Der Vorgang ruft uns die Kehrseite jeder Veränderung ins Bewusstsein: Gewinn bedeutet fast immer auch Verlust, und wer aufbricht, lässt auch Liebgewordenes und Vertrautes hinter sich.

So geht, nach 35 Jahren, im kantonalen Kindergartenseminar Bellerive in der Stadt Luzern eine Ära zur Neige. Das „Bellerive“, ein schönes Haus in ebenso schöner Lage, und seine besondere Atmosphäre habe ich selber noch als Lehrbeauftragter für Staatskunde erlebt und geschätzt. Die letzte Diplomfeier von Anfang Juli markiert gleichzeitig das Ende der seminaristischen Ausbildung von Kindergartenlehrpersonen im Kanton Luzern. In Hitzkirch – ein Name, der für viele Luzerner zum Inbegriff von Seminar und Lehrerbildung geworden ist –, werden am gleichen Tag ebenfalls zum letzten Mal Diplome an junge Lehrerinnen und Lehrer verliehen. Zwar wird die seminaristische Bildung an der Mittelschule Seetal noch während zwei Jahren weitergeführt, doch der Seminarort Hitzkirch gehört, nach fast 140 Jahren, der Vergangenheit an. Eine ungewöhnlich reiche Lehrtradition und eine ausgeprägte Schulkultur finden damit ihren nüchternen Abschluss. Ich verstehe das Bedauern und die Wehmut vieler Betroffener. Gleiches gilt für die Schule Baldegg, wo die Gemeinschaft der Baldegger Schwestern während nicht weniger als 175 Jahren pädagogische und soziale Pionierarbeit leistete, und dies bis auf den heutigen Tag – trotz schwierigem Umfeld, sich wandelnden Ansprüchen und unsicheren Perspektiven. Den beharrlichen Einsatz und unverwüstlichen Optimismus der Ordensfrauen von Baldegg bewundere ich.

Dreimal Schulschluss – doch zum Glück kein Ende mit Schrecken! Nirgends werden Ruinen hinterlassen. Das „Bellerive“ wird eine Aussenstelle der Pädagogischen Hochschule Luzern, die künftig die Unterstufen-Lehrpersonen ausbilden wird. In Hitzkirch entsteht die Interkantonale Polizeischule, welche auch die Räume des Seminars, darunter die historische Kommende, nutzen wird. Und in Baldegg wird noch diesen Sommer die Mittelschule Seetal einziehen und, in guter Nachbarschaft zum Kloster, die ehrwürdigen Gebäude weiterhin mit pulsierendem Leben erfüllen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass an allen drei Orten dem wehmütigen und für manche auch schmerzlichen Abschied eine verheissungsvolle Fortsetzung in neuem Rahmen folgen wird.

Allen heutigen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der drei Bildungsstätten danke ich für ihren Einsatz im Dienste der Lehrerbildung, für ihre Liebe zum Beruf und ihre Treue zur Berufung. In meinen Dank schliesse ich die Bevölkerung und Behörden ein, die den drei Bildungsstätten ein gutes Umfeld schufen und sie vielleicht sogar in ihr Herz geschlossen haben.

Dr. Anton Schwingruber, Bildungs- und Kulturdirektor