Integration ist das Leitmotiv

Mitteilungsblatt des Bildungs- und Kulturdepartements 3 / 05

Integration ist das Leitmotiv

Der Weg von der Taubstummenanstalt Hohenrain und vom Kinderasyl Schüpfheim zu unsern modernen Heilpädagogischen Zentren war lang und oftmals steinig. Heute dürfen wir allerdings feststellen, dass der Kanton Luzern – und dies schon seit einiger Zeit – über ein sonderpädagogisches Angebot verfügt, das sich sehen lassen darf. Neben den Zentren in Hohenrain und Schüpfheim zählen kommunale Sonderschulen, Kleinklassen und Werkschulklassen dazu, überdies einige private Institutionen wie etwa das Schulheim Schachen oder die Stiftung Schule und Wohnen Mariazell, die im Auftrag des Kantons sonderpädagogische Dienste anbieten. In all diesen Schulen sind hoch motivierte Fachpersonen, Lehrerinnen und Lehrer, Betreuerinnen und Betreuer tätig. Ihre Arbeit erfordert viel Fachwissen, Einfühlungsvermögen, Geduld und Ausdauer. Dafür möchte ich ihnen an dieser Stelle meinen Dank und Anerkennung aussprechen.

Bildung und Schule sind Teile des gesellschaftlichen Lebens und damit dem Wandel ausgesetzt. Dies gilt ganz ausgesprochen auch für die Sonderpädagogik. So entwickelte sich in den letzten Jahren beispielsweise an zahlreichen Volksschulen mit erfreulichem Erfolg die Integrative Förderung. Diese entspricht dem heute weit gehend akzeptierten Postulat, Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen wenn immer möglich in die Regelklassen einzugliedern. Integration ist zum eigentlichen Leitmotiv im Umgang mit Behinderungen geworden. Sonderpädagogische Einrichtungen werden deshalb nicht überflüssig. Ihr Auftrag wird sich jedoch an neue (auch demografische) Gegebenheiten und Erfordernisse anpassen müssen. Dazu kommt, dass im Gefolge der Neuordnung des Bundesfinanzausgleichs die Finanzierung dieser Institutionen neu zu regeln ist. Unser Kanton wird seine Verantwortung wahrnehmen und rechtzeitig eine neue Lösung realisieren, welche weiterhin für die hohe Qualität unseres sonderpädagogischen Angebots garantiert.

Sonderpädagogik stellt hohe Ansprüche an die Mitwirkenden, Sie ist zudem mit erheblichen Kosten verbunden. Als ich kurz nach meinem Amtsantritt im BKD das „Sunnebühl“ in Schüpfheim besuchte und dabei auch die Frage anschnitt, wie wir der Öffentlichkeit die Kostenfrage plausibel machen können, rief uns Direktor Peter Marty ohne zu zögern die Präambel zur neuen Bundesverfassung in Erinnerung, wo es unter anderem heisst:: „…dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl des Schwachen“. Dem ist nichts beizufügen ausser der Zusicherung, dass wir die Weiterentwicklung des sonderpädagogischen Angebots auch in Zukunft am Wohl des Schwachen ausrichten werden.

Dr. Anton Schwingruber, Bildungs- und Kulturdirektor