Die Regierung – ein Team!

Kolumne in verschiedenen Regionalzeitungen, März 2006

Die Regierung – ein Team!

Der Zeitgeist ruft nach Profil und Prominenz. Starke, selbstbewusste Frauen und Männer sind gefragt, sozusagen Übermenschen, die mit ihrem Namen und ihrem Kopf für ganze Imperien stehen. Eigentlich seltsam: Je mehr wir unsere Alltagswelt als ein hoch komplexes, vernetztes und verhängtes Gesamtsystem wahrnehmen, desto stärker neigen wir zu einfachen – oder eher doch vereinfachten – Bildern von Führung und Verantwortung. Und obwohl wir genau wissen, dass hinter jedem erfolgreichen CEO , hinter jedem starken Leader nicht nur Stäbe und Leitungsteams, sondern auch Heere von mitwirkenden, mitarbeitenden und vielleicht auch mitleidenden Menschen stehen, klammern wir uns an die Vorstellung der alles entscheidenden Schlüsselfigur, die sämtliche Fäden in der Hand hält.

Mit solchermassen zugespitzten Führungsmodellen kann der demokratische Staat nach schweizerischer Machart nicht aufwarten. Sicher braucht auch unser Gemeinwesen Chefinnen und Chefs, welche die Abteilungen, Ämter und Departemente mit klaren Vorstellungen und fester Hand leiten. Führungseigenschaften spielen heute bei der Auswahl der Verwaltungskader wie auch bei der verwaltungsinternen Weiterbildung eine wichtige Rolle. Dabei steht allerdings eine kooperative Führung im Vordergrund, die auf die Arbeit im Team und den Einbezug der Betroffenen grossen Wert legt.

Auf Regierungsebene gilt indessen von Gesetzes wegen das Kollegialitätsprinzip. Das soll auch in Zukunft so sein. „Der Regierungsrat fasst und vertritt seine Beschlüsse als Kollegialbehörde“, sagt der Entwurf zur unserer neuen Staatsverfassung. Damit liegt er quer zur aktuellen Welle der Hochstilisierung einzelner Leitfiguren, quer zum gängigen Personenkult. Es entspricht jedoch einer demokratischen Grundüberzeugung, dass Entscheidungen von politischer oder rechtlicher Tragweite nicht die Sache von Einzelkämpfern sind. Vielmehr soll ein Gremium, in dem die massgeblichen politischen Kräfte vertreten sind, diese Entscheidungen ausdiskutieren, gemeinsam fällen und nach aussen vertreten. Dass man auf Bundesebene dieser goldenen Regel zurzeit nur lückenhaft nachlebt, trägt kaum zur Glaubwürdigkeit dieser Gremien bei.

Unsere Kantonsregierung ist von Rechts wegen ein Kollegium, und ich erlebe sie überdies als echtes Team, das seine Ziele gemeinsam setzt und gemeinsam verfolgt. Dies schliesst hartes Ringen um Konsens und auch Misserfolge nicht aus. Doch es gelingt uns immer wieder, mehrheitsfähige Lösungen zu finden und umzusetzen. Solche Teamarbeit ist nur möglich, wenn die Mitglieder des Teams sich auch menschlich respektieren und schätzen, wenn sie Einzelinteressen zurückstellen und den Hang zur Selbstdarstellung bändigen. Teamfähigkeit schafft Vertrauen. Dafür werde ich mich weiterhin einsetzen.

Dr. Anton Schwingruber

Schultheiss für das Jahr 2006