„So manches würde besser gehen…“

Geleitwort zum Buch „Christliche Weg- und Flurzeichen in Ruswil“

„So manches würde besser gehen…“

Der stattlichen, traditionsbewussten Landgemeinde Ruswil traut man ja einiges zu. Dennoch erstaunt die Tatsache, dass es nicht weniger als 140 christliche Weg- und Flurzeichen auf Ruswiler Gemeindegebiet gibt. So intensiv und vielfältig hat sich im Laufe von Jahrhunderten ein lebendiger Glaube sichtbaren Ausdruck verschafft. Diese Zeichen am Weg zeugen augenfällig und mitten im Alltag von einem Urvertrauen, von einer Zuversicht, die uns Heutige schon fast etwas verlegen macht. Und für manche Zeitgenossen sind Wegkreuz und Helgenstöckli vielleicht nur noch Überbleibsel einer vergangenen, fremd gewordenen Zeit.

In Demut und mit viel Nachsicht betrachtet, sind die Wallfahrten im kleinen Raum der engern Heimat halt doch etwas vom Liebenswertesten. Und ich meine auch, dass sich kein Mensch des zwanzigsten Jahrhunderts solchen Tuns zu schämen braucht… “ Was Josef Zihlmann, Pionier der luzernischen Volkskunde, vor gut zwanzig Jahren vom Wallfahren zu den heimischen Heiligtümern sagte, gilt auch im einundzwanzigsten Jahrhundert, und es gilt auch für die Anhänglichkeit an diese schlichten Zeichen des Glaubens, von denen in diesem schönen, kleinen Buch die Rede ist. Wie sie uns fehlen würden, stellen wir am ehesten dort fest, wo es sie nicht oder nicht mehr gibt.

Der Kanton Luzern ist nach wie vor reich an religiösen Ausdrucksformen. Die christlichen Weg- und Flurzeichen drängen sich allerdings niemandem auf. So richtig wahrgenommen werden sie eigentlich nur von jenen, die ohne Eile, aber mit offenen Augen und ebenso offenem Sinn zu Fuss unterwegs sind. Es sind diese Wallfahrten im Kleinen, die zum leiblichen und seelischen Wohlbefinden beitragen und damit, wer weiss, sogar kostspielige Wellness-Programme in den Schatten zu stellen vermögen. Deshalb hoffe ich, dass das Gemeinschaftswerk von Rudolf Gut und Eugen Birrer, ein Ergebnis aufwendiger Nachforschungen und Aufzeichnungen, viele Leserinnen und Leser nicht nur ins Bild setzen, sondern auch zum achtsamen Wandern durch Dörfer, Feld und Wald anregen wird. So manches würde besser gehen, wenn wir mehr gehen würden…

Dr. Anton Schwingruber, Regierungsrat des Kantons Luzern, Vorsteher des Bildungs- und Kulturdepartements

Rudolf Gut, Erwin Birrer: Christliche Weg- und Flurzeichen in Ruswil. Geschichtsfreunde Ruswil 2007