Nach der HarmoS-Abstimmung

Nach der HarmoS-Abstimmung

Das Ergebnis der Volksabstimmung über den Beitritt des Kantons Luzern zur interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS-Konkordat) ist klar: Gut 61 Prozent der Stimmenden haben am 28. September 2008 die Beitrittsvorlage verworfen. Aber auch die inhaltliche Aussage dieser Abstimmung ist ziemlich eindeutig. Wie eine repräsentative Meinungsumfrage vier Wochen vor dem Urnengang zeigte und wie auch die Äusserungen der Gegner bestätigten, war eigentlich nur ein Punkt in der ganzen Verein-barung wirklich umstritten: der Kindergarteneintritt mit vier Jahren. Über 90 Prozent jener Befragten, die sich in der Umfrage zur Vorlage ablehnend äusserten, gaben an, sie seien gegen die obligatorische Einschulung mit vier Jahren. Weitere Ablehnungsgründe wie schul-ergänzende Betreuung, die Kosten oder der generelle Vorbehalt gegenüber Konkordaten konnten nur wenige Prozentpunkte verbuchen.

Die Analyse des Ergebnisses ist für mich deshalb klar: Das Kindergartenobligatorium mit vier Jahren darf im Kanton Luzern in den nächsten Jahren kein Thema sein. Hingegen sind die anderen Vorgaben des HarmoS-Konkordats weiter zu verfolgen. Insbesondere habe ich überall Unterstützung für die Harmonisierung der Schulstrukturen, der Lehrpläne und Lehr-mittel wahrgenommen. Auch die Überprüfung der Zielerreichung durch interkantonale Leis-tungsmessungen ist breit unterstützt worden. Die Tatsache, dass sich die Ablehnung klar auf ein Thema konzentrierte, verpflichtet uns deshalb auch, die begonnene Zusammenarbeit mit den anderen Deutschschweizer Kantonen fortzusetzen, selbst wenn der Weg für den Kanton Luzern ohne „HarmoS“ möglicherweise ein wenig beschwerlicher sein wird.

Und wie soll es bei der Frage des Kindergarteneintritts weitergehen? Klar ist, dass der obli-gatorische Kindergarten ab vier Jahren in absehbarer Zeit nicht zur Diskussion steht. Da aber der Kindergarteneintritt als erste Schnittstelle zwischen der Familie und der Schule für die Entwicklung des Kindes von besonderer Bedeutung ist, müssen wir Kompromisslösungen suchen. Ich denke etwa an den freiwilligen zweijährigen Kindergarten, wie er von etlichen Luzerner Gemeinden bereits angeboten wird. Auch die Basisstufe kann meines Erachtens eine Lösung sein, denn sie ermöglicht den flexiblen Eintritt zwischen vier und fünf Lebensjah-ren. Ich bin überzeugt, dass wir hier in den nächsten Jahren weiterkommen, wenn wir in Gesprächen Lösungen suchen, und bin allen dankbar, die zu diesem Dialog bereit sind. Ein Stillstand in dieser Frage bringt unseren Kindern und der Gesellschaft nichts.

Ich benütze die Gelegenheit, Ihnen, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, im Hinblick auf das nahende Jahresende für Ihren Einsatz im Dienste von Schule, Bildung, Kultur und Sport-förderung herzlich zu danken. Sie sind es, die in anspruchsvoller und manchmal auch müh-samer Arbeit die hohen Ziele, die wir uns gesetzt haben, im konkreten Alltag verwirklichen. Ich wünsche Ihnen und Ihren Angehörigen Zeit zum Verschnaufen, eine frohe Weihnacht und ein glückhaftes Neues Jahr.

Dr. Anton Schwingruber